#Next11 Konferenz Berlin. Eine Zusammenfassung.

In Berlin fand am 17-18. Mai die NEXT 2011 statt. Eine Konferenz über die Zukunft des Internets. Dieses Jahr mit dem Thema “DATA Love” oder warum Daten die neue Währung im digitalen Geschäft sind.

Wie in jedem Jahr hat man sich beim Veranstalter Sinner Schrader ein Thema ausgedacht, dass einen Leitgedanken der zukünftigen Entwicklung des Internets deutlich machen soll. Und kein Thema war in den letzten Monaten so präsent in den Massenmedien wie „Daten“, vor allem in Form der Diskussion um den Schutz unserer privater Daten (Stichwort Google StreetView & Facebook).

Diese in Europa etwas monoton geführte Debatte wurde auf der NEXT in Berlin um spannende neue Aspekte aufgelockert . Auf 6 Tracks aus den unterschiedlichsten Perspektiven von Branding über Commerce und Mobile bis hin zu Social und Technology wurde das Thema aus erfrischenden neuen Blickwinkeln behandelt.

Der ehemalige Google CEO, Eric Schmidt, hat vor kurzem Zahlen präsentiert, nachdem die Menschheit bis 2003 nur soviel Daten generiert hat, wie aktuell alle 2 Monate produziert werden. Unternehmen wie Facebook leben davon, dass ihre Plattformen von den Usern mit privaten Daten gefüttert werden, um diese in Form von Profildaten gepaart mit Werbung zu wahrem Geld werden zu lassen. Die Bewertung von Facebook liegt aktuell bei über 50 Milliarden Dollar.

Eines der Fundamente des neuen Daten-Zeitalters sind die von Amazon angebotene Cloud Computing Lösungen, auf der ein Großteil der neuen datenhungrigen Anwendungen aufsetzen. Amazon’s CTO Werner Vogels präsentierte in Berlin Lösungsansätze für die Anforderungen der Zukunft. Daten-Speicher und -Transfer ist so billig geworden, dass es nicht mehr nur Groß-Unternehmen vorbehalten ist, innovative Projekte zu stemmen, sondern es sind heute vor allem Start-Ups die Vorreiter sind. Man denke an DropBox.com, die die private Festplatte in der Cloud Realität werden haben lassen oder Soundcloud.com aus Berlin, die sich anschicken, legitimer Nachfolger von MySpace als Darling der Musik-Userschaft zu werden.

Der Claim „Daten sind das Erdöl der Zukunft“ wurde auf der Konferenz wiederholt verwendet. Andrew Keen, der sich selbst als Anti-Christ des Silicon Valleys betitelt, beschreibt in einer flammenden Rede das Ende jeglicher Privatsphäre. Er fordert eine “neue grüne Resistance“ als Gegenpol zu diesem „neuen Erdöl“, die den privaten Raum wieder zurück erobern soll.

Ein weiteres Google Zitat, dass auf der Konferenz verwendet wurde, stammt von Hal Varian, der voraussagt, dass Statistiker die „coolen Jobs von morgen“ sein werden. “Ich bleibe dabei, dass der Job von StatistikerInnen einer jener mit dem meisten “Sex-Appeal” der kommenden 10 Jahre sein wird. Und nein, ich scherze nicht.” Bereits heute suchen Größen wie IBM händeringend Spezialisten, die diese neue Flut an Daten sinnvoll verknüpfen und interpretieren können.

Oliver Reichenstein, ein in Tokio lebender Informations-Architekt, sprach in seiner Keynote-Speech davon, dass man weniger die Daten an sich lieben sollte, sondern vielmehr die Weisheit, die durch einen vernünftigen Umgang mit Daten entstehen kann. In Japan wurde beispielsweise ein unabhängiges Geigerzähler-Netzwerk etabliert und die Stadt Wien hat vor kurzem data.wien.gv.at gestartet. Damit können Bürger, Unternehmen und Kreative auf die, von der Stadtverwaltung, gesammelten Daten zugreifen und neue Anwendungen & Interpretationen entwickeln. Damit erhofft man sich Impulse für Demokratie und Wirtschaft.

Klar zu beobachten war, dass alle auf der NEXT präsentierten Erfolgs-Kampagnen und Start-Ups es gemein haben, dass die Community im Zentrum steht und der kollektive Partizipationsdrang die Formel des Erfolges ist. „Social Media“ ist daher weiter das bestimmende Modell.

Neben dem Themenschwerpunkt gab es aber auch sehr spannende Sessions zu Innovations-Projekten. Peter Vesterpacka, vom Hit-Spiel Angry Birds, präsentierte seine Vision eines multimedialen Intertainment Erlebnis. So soll kommendes Angry Birds-Spielzeug mit NFC Chips ausgestattet sein, um am mobilen Device Zusatz-Levels des Spiels freischalten zu können. Bertrand Duplat, von Volumique, stellte ein iPhone Game vor, bei dem man reale Spielfiguren auf die Touch-Screen Oberfläche positionieren kann und diese mittels Sensor erkannt werden um dadurch eine ganz neue Form von Brettspielen zu ermöglichen. Andrew Zolty, von Breakfastny.com, stellte kreative Agentur-Projekte im Bereich „The Internet of Things“ vor. So ließ die Agentur einen Zeppelin mit dem Show-Moderator Conan O’Brien aufsteigen, der laufend via Foursquare seinen Standort mitteilte und dadurch für Fans verfolgbar wurde oder schickte ein mit Sensoren vollgestopftes Fahrrad quer durch Amerika, dass via Twitter laufend seine aktuelle Verfassung auf unterhaltsame Weise mitteilte. Breakfast NY wurde vor kurzem von Mashable.com zur innovativsten Digital Agency gekürt.

Wie es sich für eine Internetkonferenz gehört, war ein Meer an Laptops & iPads omnipräsent und Twitter war das wichtigste Kommunikationsmedium mit dem man Fragen an die Sprecher stellen konnte, oder sich über die wichtigsten Inhalte der parallel ablaufenden Session informierte. Ein immer wiederkehrendes Gesprächsthema war auch Berlin als neues Start-Up-Mekka Europas. Firmen wie Etsy.com und Soundcloud.com sind bewusst nach Berlin gezogen, um von dortaus die Internationalisierung voranzutreiben.

Die NEXT ist im Vergleich zur anderen großen Internet-Konferenz Berlin’s, der Re:Publica, sicherlich die professionellere, mehr wirtschaftlich als kulturell orientierte. Die Event-Organisation war sehr gut: ausreichend Platz in den Session, gute Verpflegung mit Essen, ausreichend Pausen für Networking und ein professionelles Kamerateam für den Live-Stream. Die Sprecher Liste war sehr gut und das Publikum setzt sich gefühlt vor allem aus Vertretern der Agentur & Medienbranche zusammen.

Datenliebe bei der NEXT 11 bedeutet: 1.417 Besucher, 155 Sprecher, 41 Sessions und 11.240 Tweets (Stand 19.05.2011 um 15:00). Damit war die NEXT11 Trending Topic in Deutschland. Die Konferenz hat es jedenfalls verstanden, ihrem Namen gerecht zu werden und in den beiden Tagen in Berlin einen spannenden Denkanstoß für die Themen von morgen zu geben.

Die NEXT Konferenz im Internet: www.nextconf.eu.

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Ein Auszug dieses Artikels ist in der Ausgabe 26.05.2011 des Wirtschaftsblattes erschienen.

3 Responses

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